Callcenter: Do-it-yourself-Medizin mit telefonischer Anleitung

Helden von heute, sind Politiker, die Arbeitsplätze schaffen. Mit dieser Aura möchten sich Politiker jeder Couleur schmücken. Und wenn es ihnen dann tatsächlich einmal gelingt Unternehmen an einen Standort zu binden, schwingt Stolz in ihren Reden. So erging es auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghans. Im Oktober 2007 verbuchte er für die neu eingestellten 100 Arbeitskräfte beim amerikanischen Gesundheitsdienstleister Healthways einen „schönen Ansiedlungserfolg“.

Healthways ist der größte Anbieter von Betreuungsprogrammen für chronisch Kranke in den USA. Das Unternehmen ist in Deutschland angekommen und bietet seine Dienstleistungen für Versicherte Deutschen Krankenkassen an. Healthways generierte eine geniale Geschäftsidee, die wie gerufen kommt, wo es um Kostendämpfung im Gesundheitswesen geht. Healthways, so könnte die Zukunft aussehen, spart kurzerhand den Arzt ein. Do it yourself, liebe Patientin, lieber Patient – lautet die Parole. Healthways fungiert als Dienstleister, etwa im Auftrag einer Krankenkasse. In Bayern und Baden-Württemberg hat die DAK mit Healthways einen drei Jahresvertrag abgeschlossen. Der chronisch Kranke bekommt online abrufbare Informationen zur Verfügung gestellt; ein Betreuer ruft ihn regelmäßig an und sagt ihm, wie er sich z.B. selbst therapieren kann.

Der Spaß heißt in Fachterminologie „telefonbasierte medizinische Betreuung“ und ist in den USA seit langem üblich. Für Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghans ist das nur der Beginn einer neuen Ära im Gesundheitswesen: „Die Life-Sciences-Branche in Berlin-Brandenburg hat sich zu einem Markenzeichen der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg entwickelt. Healthways wird dazu beitragen, dass diese Marke noch stärker wird. Ich bin froh darüber, dass es gelungen ist dieses weltweit agierende Unternehmen von einem Standort in Brandenburg für sein erstes deutsches Servicezentrum zu überzeugen. Dass die deutsche Zentrale dieses Globalplayers auf dem Gebiet der Life Sciences in Henningsdorf entsteht, ist ein schöner Anfangserfolg“.

„Invest in Germany“ sowie die Vorgängerorganisation, „Industrail Investment Council“ (IIC), begleitete den Ansiedlungsprozess von Healthways. Die Standort-Marketinggesellschaft der Bundesregierung war bei der Auswahl eines Standortes behilflich. Elmar Horn, Seniormanager bei „Invest in Germany“ und Projektleiter der Healthways-Ansiedlung nennt es so: „Dienstleistungen in Gesundheitswesen, wie Healthways sie anbietet, haben in Deutschland großes Potenzial. Diese Investition markiert den Anfang einer wachsenden Zahl von Dienstleistern in dieser Branche. Sie unterstützen chronisch Kranke und verbessern die Behandlungsergebnisse für den Patienten., Gleichzeitig ermöglichen sie den Krankenversicherungen eine noch effizienter Arbeit. Deutschlands demokrafische Entwicklung macht eine Ausweitung patientenbezogener Investitionsbedingungen am Standort Deutschland sehr attraktiv für Unternehmen.“ Man sieht: Healthways wurde von den staatlichen Fördergesellschaften geradezu der rote Teppich ausgelegt. So hat auch die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes Brandenburg, die Zukunftsagentur Brandenburg GmbH (ZAB), die helle Freude daran, dass sich diese Art Dienstleistungsunternehmen in Deutschland etabliert. Für Dr. Detlef Stronk, Geschäftsführer der Zukunfts-Agentur Brandenburg GmbH ist die Eröffnung des Service Zentrum von Healthways mit Sitz in Nashville im USA-Bundesstaat Tennessee das Ergebnis einer klugen Förderpolitik. „Was Unternehmen anzieht, sind qualifizierte und bezahlbare Arbeitskräfte sowie die Unterstützung der öffentlichen Hand.“ 100 Arbeitsplätze, am Horizont sogar 250! Dass es so was noch gibt, eine Boombranche! Da kann man schon einmal das Hirn abstellen. 

Und das wir diese Art Wirtschaftsboom auf unsere Kosten nicht wollen, in dem wir als kranker Mensch zum Produkt in der Wertschöpfungsprojekt werden, deshalb ist wichtig sich das Datum Sonntag 13.9.2009 um 13 Uhr Olympiastadion München, vorzumerken!  

Ihre Renate Hartwig

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